Die grundsätzliche Idee des Heilpraktikerberufes
Der Beruf des Heilpraktikers ist identisch mit der Ausübung der Naturheilkunde.
Naturheilkunde heißt: sich kundig machen, wie die Natur heilt. Dahinter steht die Überzeugung, daß nur die
Natur heilen kann. Alle Bemühungen des Heilpraktikers werden also nicht nur darauf abzielen, Symptome
zu beseitigen und zu unterdrücken, sondern die Entwicklung der Krankheit bei einem Patienten zu
ergründen und zu begreifen, um dann durch gezielte naturheilkundliche therapeutische Maßnahmen dem
Patienten zu einem möglichst natürlichen Heilungsverlauf seiner Krankheit zu verhelfen.
Der große Heiler bleibt die Natur selbst. Die Aufgabe des Heilpraktikers besteht also darin, durch gezielte
Maßnahmen die Heilkraft der Natur, damit ist auch die im betreffenden, kranken Menschen selbst liegende
Heilkraft zu verstehen, einzusetzen und somit dauerhaft zu heilen. Mit Erfahrung, Einfühlsamkeit und Fleiß
kann er sich dem nähern, was man unter Heilkunst versteht. Die Naturheilkunde begreift die natürlichen
Abläufe in dieser Welt als sinnvoll und sieht den Menschen als ganzheitlich biologisches Wesen,
eingebettet in die Gesamtzusammenhänge der (seiner) Umwelt, des Kosmos.
Der Heilpraktiker sieht in der wissenschaftlichen Erforschung des Details eine wichtige Bereicherung für das Begreifen der Zusammenhänge des naturgesetzlichen Geschehens, jedoch betrachtet er die Detailkenntnis nie als Endzweck. Um den kranken Menschen in seiner Ganzheit annähernd zu begreifen, muß der Heilpraktiker über gut fundierte Kenntnisse der biologischen Grundgegebenheiten und deren Zusammenhänge verfügen. Ihm müssen anatomische, physiologische, pathologische, psychologische Tatsachen und deren Ineinandergreifen vertraut sein.
Aus eben Gesagtem ergibt sich also, die Idee und Konzeption der SHS-Berlin. Die angehenden HeilpraktikerInnen sollen einerseits alles nötige naturwissenschaftliche Wissen vermittelt bekommen und andererseits, weil dieses Wissen sonst nicht zum Leben erweckt wird, ganzheitlich denken lernen, d.h. den Patienten in seinem ganzen Zusammenhang und nicht nur als Summe von Einzelteilen sehen und anerkennen lernen.
Dies soll jedoch (besser gesagt: kann...) nicht alles nebeneinander geschehen, sondern von Anfang an aus der Sicht der Naturheilkunde und somit auf der Basis ganzheitlicher, natürlicher Zusammenhänge. Von Anfang an bei größtmöglicher Praxisnähe, damit unsere Schüler einmal die Naturheilkunde zum therapeutischen Nutzen ihrer Patienten von Grund auf richtig anwenden können.
Schon im zweiten Jahr der Ausbildung finden erste, von erfahrenen Kollegen begleitete, Kontakte zu
Patienten statt. Die Phasen erhöhter psychischer und physischer Beanspruchung, die dieses Konzept
folglich mit sich bringt, werden im Rahmen von Supervisionsarbeit aufgefangen, kreativ umgesetzt und
sollen als Impuls dem Wandlungs- und Ausbildungsprozeß dienen.
Unsere Grundlagen sind die dreißigjährige Erfahrung der Tagesschulen unseres Bundesverbandes und die Faszination, die wir selbst als tätige Heilpraktiker für die Naturheilkunde empfinden. Der Beruf des Heilpraktikers geht über die rein fachliche Qualifikation hinaus.
Naturheilkunde ist auch immer ein Stück Lebensschule; denn die Begegnung mit ihr verändert die eigene Lebensführung und Lebensqualität. An das Lernen schließt sich das somit das Werden an.
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Vorwärts zu den Wurzeln:
von Hp Andreas Krüger, Schulleiter

"... einzige und wichtigste Aufgabe ist es, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt."
(Samuel Hahnemann, "Organon der rationellen Heilkunde")
Heilen heißt, Wiederherstellen der Ordnung, Ordnung mit dem Schöpfer, mit derUmwelt, mit sich und in sich.
(Mathias Dorcsi, "Medizin der Person")
Wir leben heute in einer Zeit, von der wir als naturheilkundliche Therapeuten eigentlich immer geträumt
haben. Die Naturheilkunde hat einen großen Sprung nach vorn gemacht. Wo wir auch hinschauen, in
Zeitungen -in Anzeigen- überall finden wir Berichte über naturheilkundliche Themen. Wir erleben einen
Boom von Therapieangeboten und der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Ausbildung zum
Heilpraktiker. Immer mehr Ärzte wenden sich unseren naturheilkundlichen Methoden zu. Wir erleben auch,
daß immer mehr junge Kollegen in den Beruf drängen, in der Hoffnung, mit unserem naturheilkundlichen
Beruf ihre Zukunft gestalten zu können.
Ist dies nun der große Durchbruch naturheilkundlichen Gedankenguts, von dem so mancher von uns lange
geträumt hat? Ich wage dies zu bezweifeln. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, was uns an der Naturheilkunde
am Herzen liegt, war noch nie so in Gefahr, verwässert und verfälscht zu werden, wie heute.
Wie können wir die Naturheilkunde zu dem machen, was sie sein sollte und wie wir sie verstehen?
Zum einen müssen wir, die wir die Naturheilkunde ausüben, uns immer wieder die Frage nach dem
Ursprung unseres Berufes stellen. Dabei steht an erster Stelle die eigene Rückbesinnung. Immer mehr
sehen wir, wie die Apparate auch in unsere naturheilkundlichen Praxen Einzug halten. Wir sehen immer
mehr Technik und leider bleibt immer weniger Zeit zu dem doch so wichtigen seelsorgerischen Aspekt
unseres Tuns. Es scheint, daß auch an der Naturheilkunde die Zeichen der Zeit nicht vorbeigehen und die
Ideologie der Klinik langsam ihren Einzug hält. Rückbesinnung bedeutet hierbei: Zurückschauen zu
unseren Alten, zurückschauen in einer meditativen Geisteshaltung. Sie haben uns über Jahrhunderte
vorgelebt und vorgeheilt, was Naturheilkunde bedeutet. Hier finden wir auch, was so vielen von uns fehlt.
Ein Menschenbild, welches unerläßlich ist, um überhaupt biologische Medizin zu betreiben. Es fehlt eine
Idee vom Menschen, eine Idee von der Krankheit. Wir Naturheilkundler brauchen nicht zukunftsgläubig
nach vorn zu schauen. Unser Blick sollte nach vorn zu unseren Wurzeln gehen, in die unerschöpfliche Fülle alter naturheilkundlicher Traditionen. Zum anderen sind wir verpflichtet, unser Wissen um die
naturheilkundlichen Traditionen wahrhaftig weiter zu geben und unseren jungen Kollegen zu vermitteln.
Wirklich Naturheilkunde zu betreiben und zu lehren heißt das tägliche Wiederentdecken des göttlichen
Elements unserer Arbeit, dessen Verlust eine Tragödie für unseren Berufsstand wäre.
Im "Organon der rationellen Heilkunde" schrieb Samuel Hahnemann in seinem Vorwort zur 1.Auflage von 1810:
"Keine Beschäftigung ist nach Ansicht aller Zeiten einmütiger für eine Vermutungskunst (ars conjecturalis) erklärt worden als die Arzneikunst. Keine kann sich daher einer prüfenden Untersuchung, ob sie eine Grundlage habe, weniger entziehen als sie, auf welcher das teuerste Gut imErdenleben - die Gesundheit des Menschen - sich stützt. Ich rechne es mir zur Ehre an, in neueren Zeiten der einzige gewesen zu sein, welcher eine ernsthafte, redliche Revision derselben angestellt und die Folgerungen seiner Überzeugung teils in Namenlosen, teils in namentlichen Schriften den Augen der Welt vorgelegt hat.
Bei diesen Untersuchungen fand ich den Weg zur Wahrheit, den ich allein gehen mußte, sehr weit von der
allgemeinen Heerstraße der ärztlichen Observanz abgelegen. Je weiter ich von Wahrheit zu Wahrheit
fortschritt, desto mehr entfernten sich meine Sätze, von denen ich keinen gelten ließ, ohne mich durch
Erfahrung überzeugt zu haben, von dem alten Gebäude, welches aus Meinungen zusammengesetzt, sich
nur noch durch Meinungen erhielt. Die Resultate meiner Überzeugungen liegen in diesem Buch. Es wird
sich zeigen, ob Ärzte, die es redlich mit ihrem Gewissen und der Menschheit meinen, nun noch ferner dem
zwecklosen Gewebeder Vermutungen und Willkürlichkeiten anhängen oder der heilbringenden Wahrheit
die Augen öffnen können...Soviel warne ich im voraus, daß Indolenz, Gemächlichkeit und Starrsinn vom
Dienst am Altar der Wahrheit ausschließen und nur Unbefangenheit und unermüdlicher Eifer zur heiligsten
allermenschlichen Arbeit befähigt, zur Ausübung der wahren Heilkunde. Der Heilkünstler in diesem Gebiet
aber schließt sich unmittelbar an die Gottheit an, an den Weltenschöpfer, dessen Menschen er erhalten will
und dessen Beifall sein Herz dreimal beseligt."
Dieser Ausspruch ist keineswegs für romantisch oder rührselig zu halten. Wer nur einen einzigen
chronischen Fall mit unseren Mitteln kurieren konnte, wird solche Empfindungen erlebt haben. Wer das
anwendet, was nach dem Simile-Prinzip Mensch und Natur am tiefsten verbindet, hat längst erkannt, was
heutzutage langsam und zäh über die Umweltschutzerkenntnisse auch dem unbedarftesten Gemüt
aufgeht, nämlich, daß Mensch und Natur letztlich eine Einheit sind, ineinander verschlungen in Gedeih
und Verderb. Und wer als Therapeut aus dieser Erkenntnis seine Konsequenzen zieht und mit natürlichen
Stoffen zu heilen versucht, mit jenen, die auch der Krankheitsidee, der Aufgabe und Sinngebung jeglicher
Krankheit, am vollkommensten entsprechen, heilt mit Arzneien, die denSchicksalsmächten eines jeden
Menschen ein Wohlgefallen sind. Als Heilpraktiker und Homöopathische Ärzte müssen wir solche
Gedanken pflegen.
Bei der anderen modernen Therapie existiert zwischen dem Arzt und dem Religiösen kein Bezug.Der
größte Nihilist kann ein guter Chirurg sein usw. Unsere Therapie verlangt im Grunde eine Gesinnung, die
religiös sein muß. Nicht irgendwie neutral oder lau können wir uns verhalten, sondern religiös, und von
Paracelsus wissen wir, daß des Arztes höchste Arznei die Liebe ist. (Otto Eichelberger, "Klassische
Homöopathie") Aus dem Herzen kommt der Arzt - nicht allein aus dem Intellekt. Fragen wir einen
Schwerkranken -er braucht viel weniger die Medizin zum Schluß. Er braucht ewiges Umsorgen, er braucht
Liebe.
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