Yin und YangDAS AUSBILDUNGSFACH AKUPUNKTUR AN DER SHS

Renate Borner

Bärbel Strässer

 



Philosophischer Hintergrund

Akupunktur ist ein wichtiger Teil der Chinesischen Medizin, deren Anfänge etwa 5000 Jahre zurückliegen. Das älteste und bekannteste Buch Chinas, der "Innere Klassiker des gelben Kaisers" (Huang Di Neijing) ist in Form eines Dialogs zwischen Huang Di, dem gelben Kaiser und seinem Arzt Qi Bo abgefaßt. Der Kaiser stellt Fragen über die Gesundheit sowie über die Ursachen und die Behandlung von Krankheiten. Der Arzt Qi Bo erläutert dem Kaiser die Grundsätze einer gesunden Lebensweise, die zu einem langen Leben führen. In diesen Dialogen werden die Funktionen der Organe und Meridiane und deren harmonisches Zusammenspiel bei einem gesunden Menschen, aber auch deren Störungen bei Krankheiten ausführlich dargestellt.

Die chinesischen Ärzte der Antike hatten ein naturphilosophisch orientiertes Weltbild. Der Mensch ist hier, als ein Bestandteil der Natur, in einer intensiven Wechselbeziehung zu seiner Umwelt zu sehen.

Die Natur befindet sich in fortwährender Umwandlung, sie verändert sich, abhängig von den Jahreszeiten in immer wiederkehrenden Zyklen. Der Mensch durchlÄuft in seinem Leben periodische Entwicklungsphasen, von der Geburt über Wachstum und Reifung bis zu seinem Tod.

Die Chinesen betrachten diese Wandlungen, die sie Tao nannten, nicht als das Werk eines Göttlichen Schöpfers, sondern als den Ausdruck der inneren Gesetzmäßigkeit der Natur. In den Schriften Laotses (5. Jh. v. Chr.) wird das Tao als das Eine, als das alle Gegenstände umschließenden Eine, von dem alles ausgegangen ist, beschrieben.

Das Tao wird symbolisch dargestellt als ein Kreis, die Monade, ohne Anfang und Ende, durchzogen von einer geschwungenen Linie, die ausdrücken soll, dass es keine starre Trennung gibt, weder in der Natur noch im Menschen.


Was versteht man unter Akupunktur?

Unter Akupunktur versteht man das "Nadeln und Brennen". Die Akupunkturnadeln werden in bestimmte Punkte, die Akupunkturpunkte, die auf den Meridianen liegen, gestochen.

Meridiane kann man sich vorstellen als ein System von Linien, die wie ein Netzwerk den Körper überziehen. Im Huang Di Neijing, dem inneren Klassiker des gelben Kaisers, werden die Meridiane, die darauf liegenden Akupunkturpunkte und deren Indikationen beschrieben. Die Meridiane werden darin mit den großen Flüssen Chinas verglichen, die das Land durchziehen und mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen.

Nach chinesischer Vorstellung fließt durch das System der Meridiane QI, die Lebensenergie, die die Körperfunktionen reguliert. Brennen bedeutet das Erwärmen der Haut mit Moxakraut, die Moxibustation. Moxa ist getrockneter Beifuss, der in Form einer Zigarre gerollt ist, die auch als Moxa-Zigarre bezeichnet wird.



Unterrichtskonzept

Die Ausbildung in Akupunktur an der Samuel-Hahnemann-Schule umfasst 280 Stunden. Der Unterricht erstreckt sich über 11/2 Jahre mit einem Unterrichtstag in der Woche. Darüberhinaus besteht die Möglichkeit nach ca. 14 Monaten Unterricht unter sachkundiger Anweisung im Schulambulatorium Patienten zu behandeln. Das Ambulatorium wird auch nach Beendigung der Unterrichtszeit weitergeführt und kann mindestens ein Jahr genutzt werden.


Schon von der ersten Unterrichtsstunde an werden die Schüler mit der Technik des Nadelns und der Moxibustation vertraut gemacht. In jeder Unterrichtseinheit wird eine Stunde auf die Praxis der Akupunktur verwendet, dadurch wird gewährleistet, dass die Schüler am Ende ihrer Ausbildung Sicherheit im Umgang mit den Nadeln erlangt haben. Unter Anleitung der Lehrkräfte lernen die Schüler sicher und schmerzfrei für den Patienten mit Akupunkturnadeln umzugehen. Das Auffinden der Akupunkturpunkte wird geübt sowie verschiedene Nadeltechniken wie z.B. das Tonisieren oder Sedieren. Darüberhinaus erlernen sie, wie sie die Akupunktur gemäß der gesetzlichen Vorgaben auszuüben haben (Praxishygiene, Desinfizieren, Infektionsgefahren). Sie lernen Risiken und Gefahren der Akupunktur im Allgemeinen einzuschätzen, bekommen genaue Richtlinien für die Nadelung jeden einzelnen Akupunkturpunktes, sowie Anleitung für das richtige Handeln im Notfall.

Die chinesische Medizin mit ihrem philosophischen Hintergrund ist für uns "westliche Menschen" nicht leicht zu verstehen, die grundsätzlich andere Herangehensweise an die Krankheiten und den Patienten ist bedarf eines Umdenkens. Deswegen wird im Akupunkturunterricht an der Samuel-Hahnemann-Schule großer Wert darauf gelegt, die Schüler langsam, Schritt für Schritt in das chinesische Denksystem einzuführen, das Verständnis durch anschauliches Erklären immer weiter zu mehren. Ein Schwerpunkt liegt auch darin, dass die Schüler sich selbst und ihre Erkrankungen einbeziehen können, und somit die Theorie "am eigenen Leib" überprüfen können, was den Verständnisprozess festigt.

Des Weiteren sollen sich die Schüler mit Referaten selber in den Unterricht einbringen, vor allem beim Erlernen des Modells der Fünf Elemente werden die Schüler in die Gestaltung des Unterrichtes miteinbezogen .

Während der Kursdauer finden zwei Klausuren und eine Abschlussprüfung zur überprüfung des Gelernten statt.

Am Beginn jeder Unterrichtseinheit wird ca. eine 1/2 Stunde Qi Gong geübt. Qi Gong ist eine jahrtausend alte asiatische Atem- und Bewegungsübung, die durch sanfte, entspannte Bewegungen hilft, Blockaden in der Energie des Menschen wieder zum Fließen zu bringen. Diese Methode ist e i n e Möglichkeit der Chinesischen Medizin, den Menschen wieder in sein Gleichgewicht zu bringen.

(Die Schüler und Schülerinnen der Samuel Hahnemann Schule haben bereits vor Beginn des Akupunkturunterrichtes Gelegenheit, Qi Gong in 3 dafür ausgewiesenen Unterrichtseinheiten kennenzulernen.)

Haben die Schüler nach 14 Monaten ihre Kenntnisse in Theorie und Praxis gefestigt, besteht die Möglichkeit, diese an Patienten unter Anleitung erfahrener Heilpraktikerinnen zu erproben und damit noch mehr Sicherheit für die spätere Arbeit in der eigenen Praxis zu bekommen.
Nach gründlicher chinesischer Diagnostik wird ein Behandlungskonzept erarbeitet und in wöchentlichen Sitzungen angewendet. Dabei wird von den Betreuern auch Beratung zu Fragetechnik und Patientenbetreuung gegeben.

Die Behandelnden werden im wöchentlichen Akupunkturunterricht supervidiert, so dass sie das Behandlungskonzept weiter ausfeilen können und die Reaktionen auf ihre Behandlung einzuschätzen lernen.

Nach Beendigung des schulischen Unterrichtes besteht die Möglichkeit, in einem Arbeitskreis die theoretischen Kenntnisse zu vertiefen sowie weiter supervidiert zu werden.


Modelle der Chinesischen Medizin, die in den 11/2 Jahren Unterricht gelehrt werden

1 Theorie der Meridiane

Es gibt viele unterschiedliche traditionelle Theorien zur Auswahl von Akupunkturpunkten. Eine Möglichkeit, mit Akupunktur zu behandeln, ist die Theorie der Meridiane.

Sie beinhaltet die Auffassung der Chinesischen Medizin, dass in unserem Körpern Energie fließt, die den gesamten Körper versorgt und Alles - sämtliche Organe, Muskeln, Sehnen, Sinnesorgane, Haut, Knochen - miteinander vernetzt.

Diese Energie, genannt Qi, fließt dabei in verschiedenen Leitbahnen, chinesisch "jingluo", was auch als "Meridiane" übersetzt wird.

Ein Teil der durch Atmung und Nahrung gebildeten Energie fließt in den sogenannten "Hauptmeridianen", zwölf beide Seiten des Körpers durchziehende Leitbahnen.

Auf diesen Meridianen liegen insgesamt 365 Akupunkturpunkte, das sind punktförmige Stellen am Körper, in denen sich die Energie sammelt. Dabei liegen auf jedem Hauptmeridian spezielle Punkte, die die Energie gezielt beeinflussen.

Durch Nadelung der Akupunkturpunkte können insgesamt krankheitsauslösende Energien abgewehrt werden bzw. bei leichteren, akuten Erkrankungen die körpereigene Energie wieder ins Fließen gebracht werden. Jede Krankheit, jedes Symptom gilt in der Chinesischen Medizin als Blockade auf einer dieser Meridiane.

In der Theorie der Meridiane lernen die Schülerinnen und Schüler der SHS das Qi der 12 Hauptmeridiane, deren Verbindung zu den Organen und die Indikationen der unterschiedlichen Punkte auf diesen Leitbahnen kennen.


2 Einteilung in Yin und Yang

Die Einteilung nach Yin und Yang ist eine sehr wichtige Theorie in der Chinesischen Medizin, sie ist von der chinesischen Philosophie durchdrungen, die Betrachtungen von Natur, Ethik und sozialer Ordnung enthält. Das Yin-Yang-Konzept ist einerseits einfach, andererseits ist es jedoch sehr tiefgreifend. Alle Dinge haben einen Yin- und einen Yang-Aspekt.

Yin und Yang repräsentieren gegensätzliche, jedoch einander ergänzende Eigenschaften. Yin enthält immer den Keim des Yang und Yang immer den Keim des Yin. Das Eine kann ohne das Andere nicht existieren, nichts ist gänzlich Yin oder gänzlich Yang.

Der Tageszyklus macht das deutlich: Der Tag gehört zum Yang. Aber ab Mittag beginnt sich das im Yang enthaltene Yin (Dunkelheit) nach und nach zu entfalten und zu zeigen. Die Nacht gehört zum Yin, aber nach Mitternacht beginnt sich das darin enthaltene Yang (Helligkeit) zu entfalten.

Es kann keine Aktivität (Yang) ohne Ruhe (Yin) geben, keine Energie (Yang) ohne Materie (Yin).Yin und Yang sind nicht statisch zu sehen, sondern sie unterliegen einem ständigen Transformationsprozess.

Das Schriftzeichen Yin bedeutet ursprünglich die schattige Seite eines Hügels, womit solche Qualitäten wie Kälte, Ruhe, Dunkelheit, Mond, Schatten, Erde, Wasser, das Innere, die weibliche Qualität verbunden sind.

Das Schriftzeichen Yang bedeutet ursprünglich die sonnige Seite des Hügels. Die Qualitäten, die mit dem Yang assoziiert werden, sind Hitze, Bewegung, Aktivität, Erregung, Vitalität, Licht, Sonne, Himmel, das Äußere, die männliche Qualität.

Auch Krankheiten lassen sich in Yin und Yang einteilen: Krankheiten, die sich durch Hitze, Unruhe, Erregung zeigen, gehören zum Yang. Krankheiten, die sich durch Kälte, Schwäche, Langsamkeit auszeichnen, gehören zum Yin.

Das Ziel der Akupunktur ist der Ausgleich zwischen Yin und Yang, die Wiederherstellung der Harmonie, das freie Fließen des QI.


3 Die Fünf Elemente/ Fünf Wandlungsphasen (Wu Xing)

Zusammen mit der Yin-Yang-Theorie bildet das Konzept der Fünf Elemente die Basis der chinesischen Medizintheorie. Die Fünf Elemente wurden erstmals schriftlich erwähnt in der Periode der Kämpfenden Staaten (476-221 v. Chr.).

Dieses Zuordnungs- bzw. Entsprechungssystem wurde in jahrtausendelanger Naturbeobachtung entwickelt. In der chinesischen Philosophie wird der Mensch als ein Teil der Natur einschließlich ihrer zyklischen Wandlungen gesehen. So wie die Natur ihren natürlichen Wandel von Tages- und Jahreszeiten durchläuft, so folgt die Natur des Menschen demselben Muster (die Entsprechungen hierfür sind Morgen-Frühling-Geburt/Kindheit, Mittag-Sommer-Jugend, Nachmittag-Spätsommer- Erwachsensein, Abend-Herbst-Alter, Nacht-Winter-hohes Alter/Tod). Dieselben Gesetze, die für den Makrokosmos gelten, gelten auch für den Mikrokosmos. Der Mensch ist ein Ebenbild des Universums, und wenn er im Einklang mit dessen Gesetzmäßigkeiten lebt, so lebt er in Gesundheit und Harmonie.

Die Betonung dieses Denkmodells liegt im beständigen Wandel, dem energetischen Kreislauf aller Lebensprozesse. Wu Xing heißt "fünf Durchgänge" oder "fünf Wanderungen".

Die fünf Elemente bilden Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Man stellt sie sich in einem Kreislauf , als Phasen eines Zyklus vor. Holz erzeugt Feuer (in der Natur entsteht Feuer durch die Verbrennung von Holz); Feuer erzeugt Erde (aus der Asche des Feuers und der von der Sonne bewirkten Verwesung entsteht Erde); Erde erzeugt Metall (Metall entsteht durch Verdichtungsprozesse im Inneren der Erde); Metall erzeugt Wasser (Quellen entspringen im der Tiefe der Erde, wo sich Erze befinden); Wasser erzeugt Holz (Bäume benötigen Wasser für ihr Wachstum).

Ein weiterer wichtiger Teil der Theorie der Fünf Elemente sind die Entsprechungen aus allen Lebensbereichen, die jedem Element zugeordnet sind. Dieses Entsprechungssystem ist typisch für das altchinesische Denken, in dem verschiedene Erscheinungen durch eine gemeinsame, nicht definierbare Qualität bzw. Resonanz vereint werden.

So werden z.B. jedem Element spezifische Organsysteme zugeordnet, z.B. dem Holz die Leber und die Gallenblase, der Erde Milz/Pankreas und Magen, dem Metall Lunge und Dickdarm.

Zur Verdeutlichung dieses Entsprechungssystems hier einige Entsprechungen des Elementes Holz: Jahreszeit: Frühling, Tageszeit: Morgen, Himmelsrichtung: Osten, Farbe: grün, Geschmack: sauer, Klimatischer Faktor: Wind, Sinnesöffnung: Auge, Gewebe: Muskeln und Sehnen, Körpersekret: Tränen, Emotionen: Zorn, Stimme: Schreien, Geruch: Ranzig, Fähigkeit: Kontrolle, usw..

Wenn nun z.B. ein Mensch eine Lebererkrankung hat, er empfindlich auf Wind reagiert, sich morgens immer schlecht fühlt, seine Augen gerötet sind und er voller angestauter Aggressionen ist, würde dies einen deutlichen Hinweis darauf geben, dass er eine Störung in seinem Holzelement hat und diese könnte dann über das Fünf-Elemente-System diagnostiziert und behandelt werden.

Sowohl für die Diagnose als auch Behandlung nach den Fünf Elementen gibt es wichtige Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Elementen, die sich in verschiedenen Zyklen widerspiegeln, die im Akupunkturunterricht ausgiebig erläutert werden.

1. Der Sheng-Zyklus oder Hervorbringungszyklus
2. Der Co-Zyklus oder Kontrollzyklus
 Die überkontrolle (Cheng-Zyklus)
 Die Verachtung (Wu-Zyklus)

4 Diagnostik

Die Diagnostik in der Chinesischen Medizin beinhaltet vier Methoden

 Sehen oder Betrachten
 Hören und Riechen
 Erfragen
 Fühlen oder Tasten

Sehen oder Betrachten:
Zur Diagnose durch Sehen gehören viele Elemente:
 Beurteilung des Geist - Shen, der auf den Zustand des seelischen, emotionalen und spirituellen Seins, die Vitalität, die Persönlichkeit des Menschen hinweist. Shen zeigt sich z.B. in einer gesunden Gesichtsfarbe, im Leuchten der Augen, dem klaren Denken.
 Die Gesichtsfarbe zeigt uns den Zustand von Qi und Blut und sie hat einen engen Bezug zum Geist-Shen.
 Körperform und Bewegung werden auch betrachtet. Die Körperform sagt etwas über die Konstitution eines Menschen aus, so wird z.B. eine Mensch mit einem leicht adipösen Körper einem großem Kopf und großem Bauch zu den "Erde-Typen" gezählt.
 Auch das Haar, die Nägel, die Extremitäten sowie die Farbe und Konsistenz der Körperausscheidungen wie z.B. Speichel oder Urin werden betrachtet.
 Eine wichtige Rolle bei der Diagnosefindung durch Betrachten spielt das Betrachten der Zunge. Hierbei werden sowohl dem Zungenkörper, seine Form, Farbe und Beweglichkeit, wie auch der Belag der Zunge, seine Farbe, Dicke und Feuchtigkeit betrachtet. Verschiedene Areale der Zunge spiegeln den Zustand der inneren Organe wieder.

Hören und Riechen:
 Beim Hören achten wir z.B. auf den Klang der Stimme des Patienten. Spricht er laut oder leise, ist er wortkarg oder hat er eine Redelust oder führt er z.B. Selbstgespräche oder hat er gar einen Stimmverlust. Auch die Atmung kann Hinweise geben oder häufiges Seufzen, Stöhnen oder Schluckauf.
 Riechen heißt, dass wir auf die Körpergerüche des Menschen achten.

Befragung des Patienten:
 Die Befragung des Patienten hat in der Chinesischen Medizin einen großen Stellenwert. Es werden sehr differenzierte Informationen über das Befinden des Patienten erfragt. So wird z.B. bei Schmerzen sehr genau gefragt nach der Lokalisation des Schmerzes, der Tageszeit des Auftretens, dem Schmerzcharakter und den Modalitäten. Es werden Informationen über verschiedene körperliche Funktionen gesammelt, z.B. über das Temperaturempfinden des Patienten, seinen Schlaf oder seine Verdauung. Ein Ziel der Befragung ist es auch herauszufinden, wie ein bestimmtes Problem entstanden ist, wie die Lebensgewohnheiten und die Umgebung des Patienten gestaltet ist, wobei die emotionale und familiäre Situation des Patienten miteinbezogen wird.

Fühlen und Tasten:
 Zu dieser Diagnosemethode gehört z.B. das Tasten der Haut, um eine Aussage über Temperatur, die Feuchtigkeit und den Spannungszustand des Gewebes treffen zu können.
 Auch die Palpation von Akupunkturpunkten dient der Diagnosefindung. So können bestimmte Punkte zur Diagnose und Therapie eingesetzt werden.
 Von großer Bedeutung ist die Pulstastung, die an der Arteria radialis beider Handgelenke vorgenommen wird. Der Puls spiegelt sowohl den Zustand der inneren Organe wie auch den von QI und Blut wieder. An jedem Arm befinden sich drei Pulsstellen an denen je eine obere, mittlere und untere Ebene tastbar ist. Die verschiedenen Pulse werden als Pulsqualitäten bezeichnet. Wichtig ist, dass kein Symptom und kein Krankheitszeichen isoliert betrachtet wird, sondern dass wir sie in Beziehung zueinander setzen, um das Disharmoniemuster zu erkennen. Durch eine gezielte Behandlung können wir den Ausgleich zwischen Yin und Yang, das freie Fließen des QI, das Wiederherstellen der Harmonie erreichen.

5 Theorie der Acht "Außergewöhnlichen Gefäße"

In dem Netz der energetischen Verzweigungen im Körper spielen die Acht Aussergewöhnlichen Gefäße eine besondere Rolle. Sie versorgen den Körper auf seinen tiefsten Ebenen mit Energie. In diesen paarweise zusammengefassten Gefäßen

zirkuliert unsere Lebensenergie, was aus chinesischer Sicht bedeutet: In diesem Netzwerk befindet sich die Energie, die sich aus vorgeburtlicher Energie, - das ist die Energie, die wir jeweils von unseren Eltern mitbekommen haben - und aus postnataler Energie - das ist die Energie, die wir aus unserer Nahrung und aus dem Atem gewinnen - zusammensetzt. In der Chinesischen Medizin setzt sich unsere Lebensenergie aus "vorhimmlischer" und "nachhimmlischer" Energie zusammen.

In den alten, bildhaften Schriften heißt es, dass die zwölf Hauptmeridiane wie Flüsse sind, die Außergewöhnlichen Gefäße wie Seen, die "Wasser" an die Flüsse abgeben bzw. von ihnen bekommen.
Wie der Name schon sagt, wird mit dieser Energie sorgsam umgegangen. Die Schülerinnen und Schüler der Samuel Hahnemann Schule lernen, bei welchen Krankheitsbildern und Krankheitsverläufen sie diese außergewöhnliche Methode anwenden können.